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News / 10. November 2009

Bewegungen für freie Bildung schließen sich weltweit zusammen!

Aus Bundesweit wird International

Seit Jahren erleben Menschen auf der ganzen Welt wie Studiengebühren sprunghaft ansteigen und infolge dessen viele noch Jahre nach ihrem Abschluss verschuldet sind. Seit einiger Zeit ist die Präsenz von Unternehmen an (Hoch-)Schulen stark angestiegen. Öffentliche Bildungseinrichtungen waren einmal (weitgehend) freie und unabhängige Orte. Diese werden jedoch zunehmend in Wirtschaftsunternehmen umstrukturiert, in denen Studierende, SchülerInnen, Lehrkräfte und sonstige Angestellte kaum noch Mitspracherechte haben. Der Kundenstatus der Studierenden -und vermehrt auch der SchülerInnen – schafft eine Atmosphäre, die dem autonomen Lernen grundsätzlich widerspricht. Menschen weltweit leiden unter den Auswirkungen permanenter Haushaltskürzungen sowie dem immer größer werdenden Einfluss (privat-)wirtschaftlicher Interessen im öffentlichen Bildungsbereich.

Als Reaktion auf diese Entwicklung schließen sich diverse Gruppen des „Bundesweiten Bildungsstreiks“ in Deutschland mit weiteren aktiven Bewegungen aus aller Welt zusammen, um gegen die Missstände und die Ökonomisierung von Bildung vorzugehen und für freie und emanzipatorisch ausgerichtete öffentliche Bildungssysteme zu streiten.

Am 5. November 2009 findet weltweit der „Warm-up Day of United Action“ für die kommenden Bildungsproteste statt, welche in den Rahmen der „Education is NOT for $A£€ - Global Week of Action“ eingebettet sind, die vom 9. bis 18. November 2009 stattfindet. Fast 70 Gruppen in 30 Ländern (u.a. Kanada, Liberia, Kroatien, Indonesien, Bangladesch, Italien und den U.S.A.) rufen aktuell zu öffentlichen Diskussionen, Demonstrationen und Besetzungen im Laufe der Aktionswoche auf. In Deutschland sind lokale Bildungsstreikbündnisse und Studierendenvertretungen aus u.a. München, Bonn, Marburg, Frankfurt/M., Berlin, Heidelberg, Hamburg, Münster, Bochum involviert.

Nach den seit gut zwei Wochen anhaltenden Hochschulbesetzungen in ganz Österreich wurde der 5. November zum landesweiten Aktionstag gegen den Bologna Prozess und die Bildungsmisstände im Allgemeinen als Teil des „Warm-up Day of United Action“ ausgerufen.

Die Meldungen über die Besetzungen der Hochschulen in Österreich haben sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Menschen aus vielen Ecken dieser Welt identifizieren sich mit den Zielen der Studierenden und der Lehrkräfte und treiben die internationale Vernetzung mit Windeseile voran.

Auch in Kanada rufen Studierendenvertretungen an diesem Tag zu Großdemonstrationen gegen Studiengebühren und die weitere Kommerzialisierung von Bildung auf. Entschlossene Proteste sind ebenfalls u.a. in den U.S.A., Polen und der Schweiz geplant.

Nur kurze Zeit später, werden am 17. November in Deutschland, Frankreich, Italien und weiteren Ländern die Proteste international koordiniert landesweit fortgesetzt.

Ein konstanter Informationsfluss unter den Bewegungen wird durch regelmäßige Chat-Treffen, die Nutzung diverser Foren, Email-Verteiler und einer zentralen Homepage sicher gestellt. Das „Grundgerüst“ für die globale Aktionswoche wurde mit Unterstützung dieser Hilfsmittel von Menschen aus diversen Ländern koordiniert, welche sich als Teil der unabhängigen Plattform „International Student Movement“ verstehen.

Die sich derzeit formierende internationale Bewegung verfolgt die Absicht, eine öffentliche Debatte anzuregen sowohl über die Zusammenhänge zwischen lokalen Problemen in Bildungseinrichtungen und globalen wirtschaftlichen Zwängen als auch über die Notwendigkeit frei zugänglicher und unabhängiger Bildung für eine demokratische Gesellschaft.

Erst ein emanzipatorisches Bildungssystem befähigt die Menschen dazu, sich kritisch mit ihrem Umfeld auseinander zu setzen. Diese Fähigkeit und das notwendige Wissen müssen erst erlernt werden. Deshalb geht diese Angelegenheit nicht nur diejenigen etwas an, die direkt von der Ökonomisierung im Bildungsbereich betroffen sind, sondern jede Gesellschaft in ihrer Gesamtheit.

Jede Gruppe formuliert zwar ihre eigenen genauen Forderungen, doch sie setzen sich gemeinsam für freie und emanzipatorisch ausgerichtete öffentliche Bildung ein – weltweit!

Die Woche und die damit einhergehenden Proteste werden der Auftakt einer neuen Bildungsbewegung sein, die sich durch ihre internationale Vernetzung und Zusammenarbeit auszeichnet.

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Wer also auf das Politische Mandat verzichtet, macht sich zum Sachverwalter der Autorität, akzeptiert das ihm zugewiesene Ghetto und bietet der Gesellschaft die Möglichkeit, die Universität nach Belieben zu manipulieren. Mit dem Lockruf nur und ausschließlich die Interessen der Studenten vertreten zu wollen, ziehen diese trojanischen Pferde als fünfte Kolonne der Obrigkeit in die studentische Selbstverwaltung ein, wo sie mit Bienenfleiß alles verwalten, ohne etwas zu ändern.
(Bonner AStA-Zeitung 66/67)